Geschichte

 

KANUTRADITION SEIT 1919

Im Jahre 1919 gegründet gehört der Verein für Kanusport Berlin e. V. zu den ältesten Kanusportvereinen Berlins. Seit 1951 hat der Verein sein Bootshaus und somit seine Heimat in Saatwinkel am Hohenzollernkanal.

Um einen Einblick in die Geschichte des Vereines zu bekommen empfiehlt sich die Festschrift zum 75jährigen Jubiläum des Vereins.
Hier ein Auszug:

 

75 JAHRE VEREIN FÜR KANUSPORT BERLIN

– ein Rückblick –

Am 30. Juni 1919 gründeten die Kameraden Rauhut, Volk, Schulz, Geißler, Kurt, Kärsten, Jockel, Schumann, Kretschmer, Schmidt, Friebel und Wiese die „Berliner Paddler-Gesellschaft“. Der Kamerad Volk wurde 1. Vorsitzender, doch nach vier Monaten, als Kamerad Geißler den Vorsitz übernommen hatte, wurde der Name in „Verein für Kanusport Berlin“ umgeändert.
1919 trat der V K B auch dem Deutschen Kanuverband bei.

Damals beschränkte man sich hauptsächlich auf kleine Wanderfahrten und auf gemeinsame Sonntagsfahrten. 
Dabei ging es in die Berliner Umgebung und auch häufig in den Spreewald. Im Frühjahr 1920 kam eine Anzahl neuer Mitglieder dazu. Durch sie und durch die Anregungen der Kameraden Rauhut, Reinhardt, Wiese und Stark begann man im Juni des Jahres auch mit dem Wettkampfsport. 
So konnten sich VKBer an der Deutschen Meisterschaft 1920 in Hamburg beteiligen. Bei diesen sechs Tage währenden Meisterschaften konnte zwar kein Sieg errungen werden, aber man hatte Interesse am Rennsport gewonnen und beschloß, eine Berliner Regatta durchzuführen, die dann auch mit 24 Rennen in Grünau durchgezogen wurde.
Dabei gab es viele Schwierigkeiten, einmal mußte die Regattaanlage in Grünau mit 800,- Mark bezahlt werden, dann gab es keinen offiziellen Regattastab, schließlich mußten die Boote zur Verfügung gestellt werden. Hier gab es nun die ersten vier Siege für den VKB.
Der Sportbetrieb selbst spielte sich in einem gemieteten Bootshaus in Rummelsburg ab. Erst 1929 konnte sich der Verein ein eigenes Bootshaus schaffen. 1930 wurde das Bootshaus in Niederlehme fertiggestellt. 1941 wurde danach ein Haus für die Jugend des Vereins eingeweiht. Leider ist dieses schöne Bootshaus zwei Jahre später durch Kriegseinwirkungen schwer beschädigt worden; dabei gingen auch viele Boote verloren.
Da die Boote fast alle unterschiedliche Maße hatten, waren einwandfreie Rennen damals nicht möglich, was den Kameraden Volk veranlaßte, ein neues Boot zu entwerfen. Es war 5,20 m lang und 0,68 m breit und eignete sich vorzüglich als Wander- und Rennboot. Bald standen dem VKB neun dieser Boote zur Verfügung, was die Bootsfrage zu den Regatten praktisch gelöst hatte.

Bootshaus Niederlehme2
Unser altes Bootshaus in Niederlehme

Der Verein hat viele gute Rennfahrer hervorgebracht, die nicht nur in Berlin, sondern in fast allen deutschen Regattastädten an nationalen und internationalen Kanuregatten teilnahmen und für den VKB viele Siege erringen konnten.
Den ersten großen Erfolg gab es im Sommer 1927, als die Kameraden Flemming und Eichler im Faltboot-Zweier die Deutsche Meisterschaft über 38 km in Dresden erringen konnten. 1929, als mit dem Bootshausbau in Niederlehme begonnen wurde, konnte die Mannschaft Flemming / Siepert im F II über 10 km in Kiel die zweite Deutsche Meisterschaft erringen.
Bei der Durchführung der ersten Olympischen Kanuregatta 1936 in Berlin waren VKB-Kameraden maßgeblich beteiligt.
Im II. Weltkrieg wurden fast alle aktiven Rennfahrer zur Wehrmacht einberufen, so daß man sich hauptsächlich auf die Frauen- und Jugendabteilung und einige wenige männliche Aktive stützen mußte. Wenn diese Sportler nun Erfolge hatten, dann war es einmal dem Kameraden Erich Arndt, der sich als „schreibender Trainer“ einen Namen machte, und dem Kameraden Willi Nitsche zu verdanken. Früchte dieser Arbeit zeigten sich bei den Deutschen Meisterschaften 1941 in Bromberg. Drei Deutsche Titel wurden errungen! Werner Neth siegte im K I über 1.000 m und über 10.000 m. Mit ihm fuhren Werner Zeh, Erich Sodemann und Willi Sodemann im K IV über 1.000 m zum Titel.
Die Freude über diese schönen Erfolge wurde später leider getrübt durch die fatalen Einwirkungen des Krieges. Das Bootshaus in Niederlehme und damit das Rennmaterial wurde vernichtet, vor allem aber waren es die Kameraden, die dem Krieg zum Opfer fielen. 23 Kameraden, unter ihnen auch Erich Arndt, starben.

Bootshaus in Köpenick

1945, nach Kriegsende – ohne Bootshaus, ohne Mate-rial – hieß es, den VKB wieder lebensfähig zu machen. Unsere Kameraden Erich Schulz, Fritz Claudi, Gerhard Liersch, Kurt Schüler und Artur Krause begannen mit Kameraden aus anderen Vereinen mit dem Wiederaufbau. Sie bildeten die „Kommunale Kanugruppe Köpe-nick I“. Andere alte VKBer stießen zu dieser Gruppe, und der Gedanke, den Namen „VKB“ anzunehmen, bekam feste Form.
1948 trat der Kamerad Paul Quednau ein, er trieb den Bootshausbau stark an. Als im Jahre 1949 das Bootshaus in Köpenick vom Sportausschuß einer Betriebssportgruppe zugesprochen wurde, mußte es aufgegeben werden. Der VKB siedelte nach Westberlin über, was naturgemäß mit großen Schwierigkeiten verbunden war. Die Kameraden vom „Wassersport-Club Havel“ gewährten dankenswerterweise erst einmal Unterkunft. Am 12.9.1950 fand dann die erste offizielle Sitzung des VKB statt. Hier wurde Paul Quednau zum 1. Vorsitzenden gewählt, der in späterer Zeit jahrelang den Verein führte.
Im Oktober trat Bruno Matthes dem Verein bei, der auf der nächsten Generalversammlung zum 1. Vorsitzenden gewählt wurde, da Paul Quednau sein Amt zur Verfügung stellte, um sich ganz dem Bootshausneubau in Saatwinkel zu widmen. Durch Schwierigkeiten bei der Beschaffung der benötigten Gelder war dann erst Ostern 1951 der tatsächliche Baubeginn. Da alle Kameraden tüchtig zupacken mußten, war der Sportbetrieb stark eingeschränkt. Nach nur einjähriger Bauzeit konnte das neue Bootshaus im Mai 1951 eingeweiht werden. Hauptträger der Arbeiten waren die Kameraden Quednau, Claudi, Liersch, Schüler und Krause.
In den folgenden Jahren wurde neben dem weiteren Ausbau des Bootshauses der Rennsport wieder sehr gefördert. Durch den Einsatz der Kameraden Werner Zeh und Uwe Kohnke wurde die Jugendarbeit weiter ausgebaut. Man konnte neue Boote beschaffen, besuchte auch auswärtige Regatten und war bei den Deutschen Meisterschaften beteiligt. Es gab jedes Jahr gute Ergebnisse, schöne Erfolge. Durch die Kameraden Willi Hinze und Dieter Trams wurde die Schülerabteilung des VKB ausgebaut. Diese beteiligte sich auch rennsportlich, erbrachte Erfolge und sorgte für den Nachwuchs der Jugend- und Rennsportabteilung.

Bootshausbau in Saatwinkel

Durch die größere Zahl der Mitglieder ergaben sich Raumprobleme, die durch den Einsatz von Paul Quednau und Erich Schulz erst nach langen Verhandlungen mit den entsprechenden Senatsdienststellen gelöst werden konnten. Wir erhielten das Gelände der Straße vom Halligweg bis zur zerstörten Brücke und errichteten einen Bootshausanbau. Durch ein Darlehen von 20.000,- DM ermöglicht, wurde unter Leitung von Paul Quednau der Anbau erstellt, was insgesamt 46.000,- DM kostete. Die fehlenden Geldmittel wurden durch die Arbeitsleistung von 55 Kameraden in 6.000 Arbeitsstunden aufgebracht. Die Festrede beim Richtfest hielt Otto Rauhut, damals noch letzter lebender Mitbegründer des VKB. Mit diesem Anbau wurden moderne Toilettenanlagen und Duschen geschaffen, im oberen Stockwerk entstand ein schöner Aufenthaltsraum.

Bootshaus VKB

In diesem Rückblick sollten nicht die anderen Aspekte des Vereinslebens vergessen werden, speziell die sportlichen Erfolge. 1962 wurde wieder ein Deutscher Meistertitel vom VKB nach Berlin gebracht. Die Jugendfahrerinnen Marianne König und Christel Blöhm siegten im K II über 500 m. Durch die verschiedenen Regattafahr- ten entstanden Kontakte zu Vereinen in Westdeutschland, so zu den Hamburgern, den Hagenern, den Coburgern und den Hann.-Mündenern. Uwe Kohnke und Lothar Barz organisierten Wander- und Ferienfahrten der Jugendgruppe, eine Arbeit, die später vom Kameraden Trams weitergeführt wurde. Sportliche Erfolge der Nachwuchsarbeit zeigten sich darin, daß der VKB mehrere Jahre hindurch jugendbester Verein des LKV Berlin wurde.
Der Trend zum Großverein machte sich bemerkbar, da die Konkurrenz, speziell aus dem westdeutschen Raum, stärker wurde. Einige Kameraden begannen, sich für eine Rennsportgemeinschaft zu interessieren. Beim KC Zugvogel war dies der Kamerad Günter Schmidt, im VKB besonders Dieter Trams. Mit den Aktiven des KC Zugvogel wurde eine derartige Interessengemeinschaft ein Jahr lang erprobt, bis es am 8.1.1974 zur Gründung der RGH (Rennsport Gemeinschaft Hohenzollernkanal) kam. Zu den Sportlerinnen und Sportlern dieser beiden Vereine kamen noch die Kameraden des Nachbarvereins Kajak-Club Nord West. Der sportliche Zusammenschluß dieser Vereine – später trat für einige Zeit noch der Wassersportverein Helios bei – zeitigte die besten Ergebnisse. Herausragend war im Jahr 1976 der Gewinn der Deutschen Meisterschaft durch Gundula Starck im K I bei den Schülerinnen, wobei ein großer Anteil des Erfolges auf die Trainingsarbeit von Karin Koch (Karin Seifert) zurückging. 1979 gab es im VKB erneuten Grund zur Freude, denn Nicola Heinz konnte mit ihrer Partnerin Sigrid Kohlberger (KC Zugvogel) im K II der Damen-Junioren über 4000 m den Titel erringen. Sie wurden von Klaus-Peter Koch trainiert.
1983 trat dann der Ruder- und Kanu-Verein von 1928 der Rennsportgemeinschaft bei. Da nun nicht mehr alle Vereine in Nähe des Hohenzollernkanals lagen, wurde der Verein in Rennsport Gemeinschaft Berlin (RGB) umbenannt. Zwingenderweise ergab sich dadurch ein weiterer Aufschwung. Namen wie Detlef Schmidt, Bernd Hessel, Dirk Joestel, Oliver Kegel und Thomas Reineck von der RGB haben sich in die Annalen der Kanurennsport-Geschichte eingetragen. Alle Erfolge der RGB-Aktiven und somit auch der beteiligten VKBer hier aufzuzählen, wäre zuviel, darum möchte ich mich auf das letzte Jahr 1993 beschränken.

So gab es bei den Berliner Kanurennsport-Meisterschaften 15 erste Plätze, 18 zweite und 22 dritte Plätze. Bei den Ostdeutschen Meisterschaften in Brandenburg konnten fünf erste Plätze, dazu vier zweite und zwei dritte Plätze errungen werden. Schließlich waren die Ergebnisse der Deutschen Meisterschaften 1993 in München auch sehr schön. Es gab einen Titel, einen dritten Platz, einen fünften Platz, zwei sechste und drei siebente Plätze. Dazu kamen weitere gute Plazierungen. Der herausragende Höhepunkt der Saison 1993 war natürlich der Gewinn der Deutschen Meisterschaft im Kanu-Marathon durch Kerstin Niclas. Sie konnte im K I über 42 km in Emden den Titel erringen.
Von der sportlichen Seite zurück zum Vereinsalltag! Da in der gesamten Siedlung am Halligweg von der Stadt Be- und Entwässerungsanlagen gefordert wurden, ergab sich die Notwendigkeit der Planung und Durchführung zur Installation entsprechender Anschlüsse innerhalb des Vereinsgeländes. Wieder war es Paul Quednau, der hierbei federführend war. Unter seiner Leitung wurden die Arbeiten 1978 begonnen und, bedingt durch den langen Winter, im April 1979 beendet. Durch die Mithilfe der Kameraden konnten wir dieses Vorhaben auch wieder kostensparend durchführen. Da die Heizung im Bootshaus veraltet war, wurde 1986 eine Gasheizung eingebaut, dazu kamen Arbeiten für eine Wärmeisolierung an den Außenmauern und eine Neugestaltung des Fußbodens im Saal. Bei diesen Arbeiten zeichneten sich die Kameraden Volker Bialinski, Günter Kaske und Paul Quednau besonders aus.

Bootstaufe

Die letzten großen Arbeiten bestanden in der Umgestaltung unseres Saales. Nachdem Theke und Thekenraum bereits mit Holz verkleidet waren, wurden nun auch alle Saalwände mit Holztäfelung versehen und die Pokalschränke ebenfalls mit hellem Holz verkleidet. dabei waren die Kameraden Joachim Quednau und Klaus-Peter Koch besonders aktiv.

Der Sportbetrieb ging dabei immer weiter. Flußwanderfahrten und Wanderungen wurden unter Regie des langjährigen Wanderwarts Dieter Reinhardt durchgeführt, er zeigte uns zu Wasser und zu Lande manch schönes Fleckchen. Jeder, der die gemütlich-fröhlichen Abende auf solch einer Fahrt miterlebt hat, erinnert sich sehr gern daran.
Der Rennsportbetrieb wird seit Jahren von Klaus-Dieter Seifert geleitet, der außerdem noch federführend für Regatten innerhalb der RGB verantwortlich zeichnet, eine zusätzliche Arbeit, die viel Zeit erfordert.
Die Kleinen werden – auch schon seit Jahren – von der Schülerwartin Karin Seifert betreut. Immer wieder versteht sie es, unseren Nachwuchs zu motivieren, sinnvoll zu beschäftigen. Daß diese Nachwuchsarbeit Früchte trägt, beweist die Tatsache, daß die RGB in den letzten Jahren die Preise für die beste Jugendarbeit im LKV Berlin und auch den Senatspreis für Jugendarbeit bekam. Hilfreich zur Seite stehen hierbei die Kameraden Matthias Wahl, Andreas Mewes und Klaus-Peter Kuntke (KC Zugvogel).
Seit 1989 leitet Klaus-Peter Koch in seiner unaufdringlich-wirksamen Art den Verein.
Augenblicklich hat der Verein für Kanusport Berlin e.V. insgesamt 134 Mitglieder. Zu 80 Erwachsenen kommen noch 54 Jugendliche, Schüler und Kinder hinzu. Der VKB-Nachwuchs macht mehr als 40% der Mitgliederzahl aus, eine Tatsache, die für die Zukunft hoffen läßt.

D.Trams